Drei goldene Äpfel

... eine patriarchale List

Drei goldene Äpfel

Drei goldene Äpfel auf dem Weg zu deinem Ziel.

Sie lauern dir auf, sie kennen das Spiel.

Sie bremsen dich aus. Sie nehmen dir Raum.

Und teilen die Welt – meist merkst du es kaum.

Es beginnt ganz harmlos: Der Vorhang geht auf.

So viele Türen stehen dir offen. Du startest den Lauf.

Man sagt, du musst deinen Weg einfach nur geh‘n,

doch das Spielfeld ist manipuliert, wie wir gleich seh‘n.

Schon rollt der erste goldene Apfel direkt vor dein Knie.

Er flüstert: „Tritt kürzer für andere, zeig doch Empathie!”

Du bist ja keine Egoistin, du funktionierst ab jetzt leise,

ach, dann steckst du eben zurück – auf weibliche Weise.

Ja, du hebst ihn auf, diesen funkelnden Apfel, der so schwer ist wie Blei.

Er glänzt nach unbezahlter Arbeit und bricht dich schlussendlich entzwei.

Dann tritt der zweite goldene Apfel auf und rollt prompt in deine Welt,

weil weiblicher Erfolg der Masse missfällt.

„Zu ehrgeizig, unweiblich, zu hart und zu laut“,

wird jede beschimpft, die sich einen Status aufbaut.

Du lernst, dich zu dimmen, lieber zu schweigen im Raum,

und bleibst unterm Scheffel – dein Ziel bleibt ein Traum.

Diese Frucht des Systems, ja, sie hält dich klein,

um bloß keine Störung im gesellschaftlichen Getriebe zu sein.

Der dritte Apfel kommt gewaltig und verpackt einen uralten Satz

vom „schwachen Geschlecht“, das benötigt einen sicheren Platz.

Am besten verkriechst du dich, hältst dich zurück und zeigst bloß keine Haut.

Aber das ist kein Schutz, sondern Kontrolle, die jemand über dich erbaut.

Ach, ein krankes System, das mit zweierlei Maß misst,

das viel von dir erwartet und dich am Ende zerfrisst.

Ja, das sind die drei goldenen Äpfel.

Sie funkeln und glitzern,

aber diese Falle ist alt.

Und seien wir mal ehrlich:

Ist das nicht auch eine Form von Gewalt?

© Fiona Novale, Juli 2026.